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Interview 22. Juni 2026

„Wir schlagen eine Brücke zwischen Wissenschaft und Lebenswelt“

©sonares

Dr. Nina Weber, Chief Scientific Officer, und Geschäftsführer Erik Eberwein über das Leitbild von sonares und eine neue Form der Wissenschaftskommunikation.

„Sonares macht Wissenschaft erlebbar.“ Mit diesem Anspruch treten Sie an. Finden wissenschaftliche Untersuchungen zu wenig Aufmerksamkeit in unserem Alltag?

Erik Eberwein: Nein, das glaube ich nicht, aber Wissenschaft stößt häufig auf ein Übersetzungsproblem. Studien und Untersuchungen treffen verallgemeinernde Aussagen. Menschen wollen aber wissen, wie ihr eigenes Leben davon berührt ist. An dieser Schnittstelle zwischen generalisierender Aussage und individueller Betroffenheit setzen die ScienceFacts an. Sie zeigen, welche Schlussfolgerungen sich aus den Studien, auf denen die ScienceFacts beruhen, für die individuelle Situation ergeben. Nehmen Sie als Beispiel das ScienceFact zur Lebenserwartung. Mit der allgemeinen Aussage, dass Frauen in Deutschland eine Lebenserwartung von 83,2 Jahren haben und Männer im statistischen Mittel 78,5 Jahre alt werden, kann der oder die Einzelne wenig anfangen. Die individuelle Lebenserwartung hängt nicht nur vom aktuellen Alter, sondern auch von vielen weiteren Faktoren ab. Genau diese berücksichtigen wir mit dem ScienceFact zur Lebenserwartung.

Auf dem ScienceHub von sonares befinden sich mittlerweile rund 200 solcher smarten Online-Rechner. Wie entstehen die Ideen für neue ScienceFacts?

Dr. Nina Weber: Auf ganz verschiedenen Wegen. So halten wir Ausschau, welche Themen im Netz viel und intensiv diskutiert werden. Wir sondieren zum Beispiel, welche Inhalte bei den Google-Suchanfragen im Ranking ganz oben stehen, tauschen uns aber auch mit unseren Partnern und Kunden aus. Mitunter ergreifen sie die Initiative und unterbreiten uns einen Vorschlag für einen neuen ScienceFact.

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Da kommen sicherlich Ideen in Hülle und Fülle auf den Tisch. Aus wie vielen wird schließlich ein neuer ScienceFact?

Dr. Nina Weber: Etwa die Hälfte der Ideen, die wir diskutieren, führt am Ende tatsächlich zu einem Online-Rechner. Mitunter fehlt es an den erforderlichen Daten. Mancher Vorschlag ist zu kompliziert für eine niedrigschwellige Bedienung oder nur für eine sehr kleine Zielgruppe relevant. Mitunter ist die Antwort auf die aufgeworfene Frage auch zu eindimensional, weil sie nur von einem einzigen Kriterium abhängt.

Haben Sie dafür ein Beispiel parat?

Dr. Nina Weber: Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wohnort von einem Erdbeben bedroht sein könnte. Dafür genügt die Postleitzahl. Dazu braucht es natürlich keinen ScienceFact. Wir haben daher eine Untergrenze definiert: Das Ergebnis muss von mindestens fünf Faktoren abhängen.

Welcher ScienceFact war der Erstling von sonares?

Erik Eberwein: Es fing mit der ChangeYourLife App an. Das war das erste interdependente Rechenmodell zur Prognostik persönlicher Lebenserwartung. Ihm lagen 16 individuelle Faktoren zugrunde, 41 Studien lieferten das empirische Fundament. Das Tool lag bei Google auf Platz 1, wenn User im Web mit den Stichworten „Lebenserwartung berechnen“ suchten. Der Erfolg von ChangeYourLife bewies, dass solche Tools eine Brücke zwischen Wissenschaft und Lebenswelt schlagen können. Nach dem Lebenserwartungsrechner haben wir dann mit großer Schlagzahl viele weitere ScienceFacts entwickelt, zu Familie, Mobilität, Versicherung, Tech, Umwelt, Lifestyle, Finanzen, Gesundheit, Karriere, Reisen und weiteren Themen. Die Ideen dafür gehen uns nicht aus.

Angenommen, ein Vorschlag erweist sich nach der ersten Sichtung als tragfähig, wie geht es dann weiter?

Dr. Nina Weber: Der erste Schritt beginnt mit einer gründlichen Recherche zum Thema. Wir ermitteln die Studienlage, schauen, welche Daten es dazu gibt. Im Zuge dieser Sondierungen kann sich die Fragestellung, die mit dem ScienceFact bedient werden soll, durchaus noch verändern. Aufbauend auf den Ergebnissen der Recherche erstellen wir dann ein Konzeptpapier. Es errichtet die Leitplanken für das neue Tool: Welche Faktoren werden einbezogen? Welche Eingaben sind erforderlich? Wie wird das Ergebnis ausgewiesen? Dieses Konzeptpapier geht dann an einen Statistikexperten. Wir haben dafür ein Netzwerk aufgebaut und verfügen über Kooperationspartner weltweit, zum Beispiel in England, Frankreich und Pakistan. Sie erstellen eine Modellversion, die anschließend durch sonares und externe Experten überprüft wird. Verläuft dieser Kontrollprozess positiv, schließt sich die technische Umsetzung des ScienceFacts an, der anschließend noch einem finalen Quality Check unterzogen wird.

Sie unterscheiden die Rechner nach ScienceFacts und SmartFacts. Warum diese Einteilung?

Dr. Nina Weber: Bei den SmartFacts ist die Datengrundlage etwas weniger stringent. Es gibt keine spezifischen akademischen Studien dazu, sondern nur öffentliche Daten. Wir haben zum Beispiel die SmartFacts „Welcher Beruf passt zu mir?“ und „Welches Haustier passt zu mir?“. Zu diesen beiden Fragen gibt es keine bis wenige wissenschaftlichen Studien, die wir verwenden können. Deshalb basieren die Antworten hier auf öffentlichen Datensätzen, aus denen wir statistische Zusammenhänge ableiten können.

Die Vorteile für den Nutzer liegen auf der Hand. Die ScienceFacts übersetzen Studienergebnisse in individuelle Daten. Welchen Gewinn ziehen die Betreiber von Webseiten, wenn sie diese Tools von sonares einsetzen?

Erik Eberwein: Ihre Webseiten werden interaktiv und individuell. Ein Beispiel dafür: Ein Beitrag in der Rubrik Finanzen beschäftigt sich mit neuen Entwicklungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Wird dieser Text mit dem ScienceFact zur BU flankiert, können die Leser mit wenigen Klicks ermitteln, wie hoch ihr eigenes Risiko ist, im Verlauf des Erwerbslebens berufsunfähig zu werden. Damit bekommen die Aussagen des Beitrags eine persönliche Relevanz. Der Leser bleibt länger auf der Webseite, die Klickraten erhöhen sich. Wenn zudem weiterführender Content zum Thema angeboten wird, vergrößert sich die Verweildauer zusätzlich. Die Webseiten erhalten damit eine völlig neue Qualität, weil sie nicht nur eindimensional Inhalte verbreiten, sondern die User zur Interaktion animieren.

ScienceFacts zur Gesundheit oder zu den privaten Finanzen erfordern die Eingabe zum Teil sehr persönlicher Daten. Da stellt sich sofort die Frage, bleiben diese ausreichend geschützt?

Erik Eberwein: ScienceFacts haben das CMP-Compliance-Programm erfolgreich durchlaufen. Dabei handelt es sich um den Einsatz einer Consent Management Plattform (CMP), um digitale Dienste, Webseiten oder Apps datenschutzkonform zu gestalten. Es automatisiert und verwaltet die rechtssichere Einholung, Protokollierung und Speicherung von Nutzereinwilligungen. Im Ergebnis sind die Rechner vom Interactive Advertising Bureau Europe (IAB Europe), das ist der führende europäische Wirtschaftsverband für das digitale Marketing und die interaktive Werbung, offiziell für TCFv2.2 zertifiziert. Damit können die ScienceFacts DSGVO-konform in alle Webseiten eingebunden werden, die sich dem TCF-Framework angeschlossen haben und den Consent Manager des IAB verwenden. Dazu gehören unter anderem nahezu alle großen deutschen Publisher und viele kleinere.

Die User können zudem in jedem ScienceFact der weiteren Datenverwendung widersprechen. Bisher eingegebene Daten können selbst vollständig und in Echtzeit vom Endgerät gelöscht werden. Es muss sich also niemand Gedanken machen, dass sensible Daten in die falschen Hände geraten.

Welche Funktion hat die sonares ScienceCommunity?

Dr. Nina Weber: Bereits mit der Gründung von sonares haben wir begonnen, ein Netzwerk von Wissenschaftsbegeisterten, Studierenden, Lehrenden, Forschenden und Unternehmen aufzubauen, die Interesse an einer neuen Form der Wissenschaftskommunikation haben.  Gemeinsam bereiten wir die Bühne, damit Wissenschaft in einem breiten Publikum ankommt. Die Mitglieder im Netzwerk entwickeln mit uns ScienceFacts, bringen Themenvorschläge ein oder stellen ihre Plattform für diese Form der Wissenschaftskommunikation zur Verfügung. Die ScienceCommunity unterscheidet uns auch von reinen Technologieunternehmen und dieses Netzwerk werden wir kontinuierlich ausbauen.

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About sonares

sonares mit Sitz in Berlin und einer weltweiten ScienceCommunity wurde 2013 gegründet. Mit der Mission, wissenschaftliche Erkenntnisse durch moderne Technologien zugänglich zu machen, entwickelt sonares interaktive Tools wie die ScienceFacts. Diese Lösungen ermöglichen es, komplexe Daten für ein breites Publikum verständlich und nutzbar aufzubereiten. Die Hauptzielgruppen umfassen Website-Betreiber, Wissenschaftler sowie Unternehmen im Bereich Prävention und Gesundheit. Durch die enge Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, Fachgesellschaften und der Nutzung wissenschaftlicher Daten schafft sonares einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung und Prävention. Das Unternehmen steht für wissenschaftliche Integrität, Benutzerfreundlichkeit und die Förderung faktenbasierter Entscheidungen, um eine informierte Gesellschaft zu unterstützen.

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